Die Forschung am Lehrstuhl für ABWL: Bank- und Finanzwirtschaft widmet sich den Investitions- und Finanzierungsentscheidungen von Wirtschaftssubjekten, zu denen sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen gehören. Diese Entscheidungen werden auf Kapitalmärkten getroffen, die in der Realität von dem der neoklassischen Theorie zugrunde liegenden Bild eines vollkommenen und vollständigen Marktes abweichen. Die im Markt vorhandenen Informationen sind häufig asymmetrisch zwischen den einzelnen Marktteilnehmern verteilt und Wertpapiertransaktionen können in der Regel nicht kostenlos durchgeführt werden. Banken spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle; denn sie helfen beim Abbau der Informationsasymmetrien und der Reduktion der Transaktionskosten. Die mikroökonomisch fundierte Theorie der Finanzintermediation berücksichtigt diese Unvollkommenheiten. Ergänzend dazu werden Erkenntnisse der Verhaltenswissenschaften herangezogen, um beschränkt rationales Verhalten von Bankkunden und Anlegern zu erklären. Mit der Analyse von Banken als Anbieter von Finanzdienstleistungen und ihrer Kunden wird der Bezug zu dem vom Institut für Betriebswirtschaftslehre verfolgten Forschungsschwerpunkt „Dienstleistungsmanagement und Dienstleistungsmärkte“ hergestellt.

Inhaltlich ist die Forschung am Lehrstuhl relativ breit angelegt. Einen ersten Forschungsschwerpunkt bilden Kreditinstitute in ihrem regulatorischen Umfeld. Dabei wird des Öfteren das Augenmerk auf einzelne Institutsgruppen gelegt, so zum Beispiel auf die Sozialbanken und ihr Wachstum seit der Finanzkrise. Zu Sparkassen wurden bereits mehrere Untersuchungen durchgeführt, wobei der Fokus auf der  Risikoberichterstattung lag. Neben Fragen wie „Was wird berichtet?“, „Warum?“ und „Wie können Qualität und Quantität der Risikoberichterstattung gemessen werden?“ steht die mögliche Wirkung der Risikoberichterstattung auf die Einleger im Fokus.

Mit dem Blick auf die Einleger wird der Übergang zu einem zweiten Forschungsschwerpunkt geschaffen, in dem Eigenschaften und Verhalten der  Bankkunden im Mittelpunkt stehen. Hier geht es ebenso um die finanzielle Kompetenz der Kreditkunden wie um die Informationsbelastung der Anleger im Zuge einer Anlageberatung oder den Einfluss von Emotionen auf die Anlageentscheidung.

Neben diesen Schwerpunkten werden aber auch immer wieder andere spannende ökonomische Fragen aus dem Bereich der Bank- und Finanzwirtschaft (und darüber hinaus) untersucht. Aktuell werden zum Beispiel die Strafzahlungen im Profifußball einer ökonomischen Analyse unterzogen.

Aus methodischer Sicht werden sowohl qualitative als auch quantitative Ansätze verfolgt. Das Spektrum reicht von konzeptionellen Ansätzen über Inhaltsanalysen, Online-Befragungen, Laborexperimente und bis hin zur Entwicklung von Leistungstests.